Ich glaube, die meisten Abnehmwilligen unterschätzen einen ganz gewaltigen Faktor. Ich übrigens auch. Deshalb halte ich mich gar nicht lange auf mit Vorgeplänkel, sondern komme gleich mal zum Wichtigen.

Ich habe zugenommen. Und das wirklich reichlich. Trotz LCHF.
1.”Trotz” deshalb, weil ich ganz normal LCHF gegessen habe. Wenn ich denn gegessen habe.
Ich renne wahnsinnig oft von einem Termin zum nächsten. Und sei es nur der Termin, meine Kleine aus der Krippe abzuholen. Von Kinderturnterminen, Arztterminen, Verabredungen und sonstigen Dingen wie Einkaufen, Kochen, Wäsche und dieser Scheißerfindung namens Haushalt mal ganz abgesehen.

2. Und wenn ich keine Zeit zum Essen fand, so fand ich immer den Knopf meines Kaffeevollautomaten. Dann trink ich halt mal schnell einen Kaffee mit Sahne und evtl. einem Löffel Kokosöl, während ich die Spülmaschine ausräume. Da hab ich wenigstens ein bischen was “gegessen”. Ich glaube, zum Schluß dieser Phase hin war ich bei einer festen Mahlzeit am Tag und ungefähr 8 Bechern á 300ml Kaffee.

3. Und dabei habe ich jeden Tag frisch gekocht! Nur zum Mitessen war ich zu müde oder dank eines kochbegleitenden Kaffees eben satt. Da gab es ein monatelanges, sehr schlechtes Timing, das eben aus dem ganzen Rumgerenne resultierte. Außerdem hab ich bei richtig großem Hunger und richtig wenig Zeit auch mal ein Täfelchen á 25g dunkle Schokolade zum Kaffee… ne, nicht gegessen, halbiert und runtergeschlungen, während ich mir Kaffeeflecken auf die Klamotten produzierte, weil ich schon wieder Richtung Haustür hetzte. (Und meinen Kaffeebecher auf der Katzentreppe zum Schrank platzierte, Katze fand das nicht wirklich prima und schubste sie beim herunterspringen runter… das war er, mein 400ml-Becher…)

4. Aber es war nicht nur das Rumrennen am Tag, dazu kam eine maximale Schlafdauer von 3 Stunden am Stück. Für geschlagene 17 Wochen! Meine Tochter hatte in dieser Zeit einen Mix aus Entwicklungsschübe, Zahnwachstum, Krankheiten und mindestens einigen quersitzenden Fürzen…

5. Dadurch habe ich aber auch meine abendlichen Tabletten sehr oft nicht eingenommen. Und mein Hashimoto fand das nun auch nicht prickelnd. Ich war noch müder als eh schon, meine Haut trocknete schier aus (was aber auch gewiß dem Kaffeekonsum als Getränk geschuldet war), ich bekam immer wieder mal Herzrumpeln, was aber ganz sicher an der Schilddrüse liegt.

So. Da stand ich nun. Diese Phase von mindestens 17 Wochen, ganz genau genommen hat es sich aber schon vor gut 20 Wochen abgezeichnet, hat mir 8 Kilo beschert. Mein Körper hat mir diese Turbulenz in den ersten 8-10 Wochen gar nicht wirklich übel genommen… vielleicht 1 Kilo drauf. Aber in den letzten Wochen gings Schlag auf Schlag! Als ich überlegte, kurzzeitig weniger zu essen (mir war das bischen Nahrungszufuhr erst mal nicht bewußt), sagte Herzblatt: Hä? Wieso das? Du hast doch immer mit Fressen abgenommen!
Jo. Stimmt. Und dann hab ich also seit Sonntag wieder richtig reingehauen und jeden Anflug von Appetit gleich mit Käsestücken mit Butter im Keim erstickt. Ein guter EL Kokosöl mit einem viel kleinerem Schwupp Sahne im Kaffee, der nur noch bei oder im Anschluß zur Mahlzeit getrunken wird. Und wieder richtig gut satt statt unhungrig gegessen.
Und den Vollautomaten hab ich ausgetauscht. Gegen eine normale Aufbrühmaschine, die aber die Bohnen frisch mahlen kann. Das Minimum sind 2 Tassen (also 1 Becher), aber da mir der Kaffee trotz bester Einstellungen zu kräftig ist (ich Weichei), mache ich also immer 2 Tassen Wasser mehr. So will ich also nicht soooo viel herstellen nur wegen einem Becher zwischendurch. Also trink ich nix mehr zwischendurch außer Wasser und Tee, den ich nun auch wieder einfach produziere. Der steht rum und wird halt getrunken. Oder auch nicht… Unterschiedlich…

Seit Sonntag ist also ein Kilo wieder weg. Dazu mache ich seit 4 Wochen 3-4x in der Woche Sport. 1x 2 Stunden am Stück und die anderen Male nur so 20-50 Minuten je nach Lust. Der Muskelkater wird mir bestimmt auch noch so 2 Kilo gebracht haben…

Letztlich (emp)fand ich meine letzten paar Monate gar nicht so wild. Nach einigen Wochen gewöhnt man sich an wenig Schlaf und Nahrung. Aber der Streß, der dem Körper dadurch entsteht, ist unglaublich! Das ist ein so wichtiger Faktor, der scheinbar permanent unterschätzt wird.
Erst großer, negativer Streß (zb eine plötzliche schlimme Krankheit in der Familie oder die eigene ordentliche Grippe) wird wahrgenommen und die Nichtabnahme darauf zurückgeführt. Stimmt ja auch. Aber der latente Streß, eine innere wie äußere Unruhe, Umtriebigkeit, Termine über Termine, keinerlei Entspannung und Zeit für sich selbst… das sorgt für einen ständig hohen Hormonpegel.
Kurzfristig vertretbar durch Katecholamine, langfristig setzt der Körper eigene Glukokortikoide frei, also Cortisol. Das fördert die Lust auf Süßes (Zucker reduziert die Streßhormone), regt die Leber aber auch dazu an, selbst tätig zu werden und die Gluconeogenese wird so richtig angefeuert. Also eine große Menge KH durch die Hintertür…

Was will ich nun damit sagen:
Es ist nicht die große Überraschung negativer Art, die das Abnehmen verhindert resp. die Zunahme begünstigt.
Es ist der Alltag.