Nun komme ich endlich mal dazu, was übers Tragen zu schreiben, nachdem ich es von Anfang praktiziere. Weil meine Tochter mich dazu “zwang” und ich es mir inzwischen kaum mehr anders vorstellen kann. Auch, wenn ich es mir manchmal anders wünsche, z.B. bei 30°.

 

Meine Tochter möchte Nähe, viel Nähe. Klar, die Kleine war so lange in meinem Bauch… und ich habe es nicht fertig gebracht, sie allein im Bettchen schlafen zu lassen. (Mehr zum Schlafen kommt noch separat.)

Und nur wenige Tage nach der Geburt stellte sich lautstark heraus: Mama, ich will nicht alleine sein! Mal davon ab… herrje, was hab ich mich schlagartig verlassen gefühlt, als ich 10 Tage nach der Geburt alleine einkaufen war!

Nun, am 7. Tag nach der Geburt, also dem 3. Tag daheim, zog das erste Tragetuch hier ein. Und ein bischen weniger Gebrüll aus. Und ich hatte wieder 2 Hände frei, nachdem ich das Tuch binden konnte und das Baby tatsächlich nirgends rauspurzelte. Die ersten guten 6 Lebenswochen haben meine Nerven nur überlebt dank dem Engagement meines Mannes, meiner Schwiegerleute, meiner Hebamme, meinem gefüllten Tiefkühlschrank und – dem Tragetuch.

Baby war satt, sauber, trocken. Und hat gebrüllt. Müde? Hm. Ist doch erst aufgewacht… Ab ins Tuch und schon war alles gut.

Aus der Traum vom süßen, tagsüber im Kinderwagen liegenden und dauerlächelnden Baby, dass die ganze Nacht (!) in eigenem (!) Bett durchschläft (!), so wie es die Werbung verspricht. Dem Braten hab ich zwar eh nicht getraut, aber ach, die Hoffnung…

Nun trage ich also mein Kind durch die Gegend. Damit es überhaupt mal schlief und Ruhe gab, vor allem anfangs. Und inzwischen finde ich es zwar körperlich noch immer ein wenig anstrengend, Kind wächst ja und wird schwerer, doch ich mag das Tragen sehr! Ich spüre, wie die Kleine sich bei mir sicherer fühlt als in der Babyschale, wenn wir einkaufen gehen. Sie sieht mehr, nimmt mehr von ihrer Umgebung auf und wenn es ihr zu viel wird, versteckt sie ihr Köpfchen einfach im Tuch. Oder ich mach das, wenn ich ihre Unruhe bemerke.

Für Babys Rücken und Hüfte ist das Tragen im Tuch auch richtig gut. Das Stichwort schlechthin ist die Anhock-Spreizhaltung: Baby hockt am Körper (an) und hat die Beinchen gespreizt, was für eine ordentliche Ausbildung der Hüftpfanne wichtig ist. Der Rücken ist noch rund, was im Babyalter völlig in Ordnung ist. Denn die Muskeln, die später für die Aufrichtung sorgen, müssen erst trainiert werden. “Zwingt” man den kleinen Rücken in die erst für später vorgesehene Form, so handelt man dem Kind im schlechten Falle eher Rückenprobleme ein: Die Entwicklung greift ineinander. Werden die Muskeln langsam stärker, so werden auch die passiven Strukturen entsprechend “schnell” belastet und der Körper gewöhnt sich an die Belastung und Haltung und dadurch tritt wieder eine bessere Muskelbeanspruchung auf und die kleinen Muskeln wachsen und so weiter.

Man sollte sich das Binden zeigen lassen und gemeinsam mit z.B. einem Trageberater üben. So lernt man nicht nur unterschiedliche Trageweisen kennen, sondern findet eine für sich, die für einen selbst auch bequem ist. Und dann trägt man auch gerne!

Ich gebe zu, anfangs erschien mir das Tragen genau so folgerichtig (evulotionsmäßig betrachtet), wie umständlich wie praktisch. Je nach meiner Tagesform halt.

Das hat sich seither kaum geändert. Nur dass ich die Kleine schneller ins Tuch stecke, bevor das Nörgeln richtig losgehen kann. Manchmal wünsche ich mir auch so ein Werbebaby, dass mich nachts schlafen und mir bissle mehr Zeit für mich lässt, als im besten Falle morgens 7 Minuten für Duschen, Anziehen, Vieherl versorgen und mein Frühstück zubereiten.

Allerdings ist mir einfach klar geworden, dass mein Baby sich genau wie ein Baby verhält. Und das Werbebaby ist ein Wunschtraum der Erwachsenen, damit es in unser bisheriges Leben hinein passt, anstatt dass wir unser Leben ein ganzes Stück nach den Bedürfnissen des Babys ausrichten. Komischerweise ist jedem klar, dass ein Kind das Leben auf den Kopf stellt. Ich allerdings hab mir vorher keine Gedanken gemacht, was das im Speziellen heißt…